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Leon Draisaitl beklagte eine vertane Olympia-Chance (Urheber/Quelle/Verbreiter: Peter Kneffel/dpa)
Leon Draisaitl beklagte eine vertane Olympia-Chance (Urheber/Quelle/Verbreiter: Peter Kneffel/dpa)

«Verbrauchte Chance»: Viertelfinal-Pleite für Eishockey-Team

On Februar 18, 2026

Müde und frustriert trauerten die deutschen Eishockey-Cracks um Superstar Leon Draisaitl ihrer leichtfertig vergebenen Medaillenchance nach. Gegen ausgeruhte Slowaken hat das mit so großen Erwartungen angetretene Team im Olympia-Viertelfinale ein Debakel erlebt. «In so einem Spiel musst du dir so lange wie möglich die Chance geben, das Spiel zu gewinnen. Das haben wir überhaupt nicht gemacht. Ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben. Auf jeden Fall viel zu viele», schimpfte Kapitän Draisaitl nach dem üblen 2:6 (0:1, 1:3, 1:2) gegen den Bronze-Gewinner von 2022.

«Das ist mit Sicherheit eine verbrauchte Chance, die wir nicht genutzt haben. Das tut mit Sicherheit weh», sagte der Weltklasse-Stürmer der Edmonton Oilers. Draisaitl, Tim Stützle und Moritz Seider – im deutschen Olympiakader steckte diesmal richtige Weltklasse aus der NHL, dazu in JJ Peterka und Torhüter Philipp Grubauer weitere Leistungsträger aus der nordamerikanischen Profiliga. Insgesamt neun Spieler aus Nordamerika waren bei den Winterspielen dabei – so gut besetzt war niemals zuvor eine deutsche Eishockey-Auswahl.

Kein Schönreden bei den Spielern

«Natürlich kann man nicht immer erwarten, dass man um Medaillen mitspielt. Aber ich glaube, das war eine sehr machbare Aufgabe heute. Besser hätten wir es nicht treffen können», sagte Top-Verteidiger Seider. «Das sollte schon unser Maßstab sein, dass man so ein Spiel gewinnen kann.» 

Dass es gegen einen Gegner, der vermeintlich auf Augenhöhe ist, so deutlich wurde, ließ viele Fragen aufkommen. Die beiden Treffer von Lukas Reichel (35. Minute) und Frederik Tiffels (50.) kamen beide viel zu spät. 

Nur einen Tag nach dem 5:1 in der ersten K.-o.-Runde gegen Frankreich waren die vor allem in der Spitze des Kaders nicht besser besetzten Slowaken effektiver. Zudem leistete sich die DEB-Auswahl heftige individuelle Fehler in der Defensive. «Tempo hängt auch ein bisschen mit dem physischen Zustand zusammen. Wir spielen ein zweites Spiel innerhalb von nicht mal 24 Stunden, die Slowaken hatten drei Tage frei», sagte Bundestrainer Harold Kreis. DEB-Sportvorstand Christian Künast meinte ebenfalls: «Wenn man das Spiel nur heute nimmt, hat uns etwas die Frische gefehlt.»

Interessanterweise widersprachen die Spieler an dem Punkt. «Das darf keine Ausrede sein», sagte etwa Seider entschieden. Zudem hatte sich die Slowakei als Gruppensieger selbst in die Position gebracht, ausgeruht ins Viertelfinale zu gehen. Für das hochgelobte deutsche Team war dagegen schon die Vorrunde mit dem peinlichen 3:4 gegen Lettland ziemlich verkorkst.

Draisaitl bestätigt: Mannschaft hat sich nie gefunden

«Wir hätten schon gerne besser gespielt, haben aber nie so richtig zu unserem Spiel gefunden», sagte Draisaitl. «Manchmal finden sich Mannschaften schneller. Manchmal dauert es eben etwas länger. Bei uns hat es etwas zu lange gedauert, um unsere Identität zu finden.»

Viel zu sehr schien das deutsche Offensivspiel bei den Winterspielen auf Draisaitls und Stützles Fähigkeiten ausgerichtet zu sein. Ausnahmekönner Draisaitl erhielt auch gegen die Slowaken wieder knapp 30 Minuten Eiszeit und damit extrem viel. Dass am Ende die Frische fehlte, wie Kreis anmerkte, schien somit zusätzlich selbst verschuldet zu sein. «Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich die zu viel eingesetzt habe», bekannte der Bundestrainer, dessen Vertrag bereits vor Olympia bis zur Heim-WM 2027 verlängert worden war. 

Dennoch wird sich auch Kreis bei der nun folgenden Analyse kritische Fragen stellen lassen müssen. «Man hätte insgesamt das Potenzial gehabt, sich hier besser zu verkaufen. Das ist uns leider nicht gelungen», sagte Abwehrroutinier Moritz Müller von den Kölner Haien, der wegen der NHL-Stars Draisaitl, Stützle und Seider diesmal nicht zum Kreis der drei Kapitäne gehörte. 

Seider merkte an, dass schon bei der WM-Enttäuschung im vergangenen Mai im dänischen Herning einiges nicht gestimmt hatte, als Deutschland das Viertelfinale verpasst hatte. «Wir müssen einfach wieder unser Mindset, unsere Strukturen verdeutlichen. Wir sind eine Mannschaft, die sehr viel über Stolz und Willen kommt. Ab und an versuchen wir, dass wir zu süß spielen, da außen rum. Wir müssen einfach wieder direkter werden. Das hat man schon in Dänemark gesehen», sagte der 24-Jährige.

Von Carsten Lappe, dpa
In Olympische Winterspiele TendenzIn DEB , Deutschland , Eishockey , International , Italien , Olympia , Slowakei

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